Startseite - Gästeservice - Informationen - Südafrika - Die Kolonie der Kompanie (1652-1795) - Big6 Gue...
Informationen - Rund um's big6


Südafrika - Die Kolonie der Kompanie (1652-1795) - Big6 Guesthouse

Die Kolonie der Kompanie (1652-1795)
Zum ersten längeren Kontakt zwischen Khoikhoi und Europäern kam es am Kap der Guten Hoffnung, als das holländische Schiff „Nieeuw Haerlem“ der Vereinigten Ostindischen Handelsgesellschaft (VOC = Holländisch Ostindische Kompanie/Dutch-East-India-Company), das sich auf der Rückreise von Indien befand, am 25. März 1647 mit 60 Mann Besatzung strandete. Fast ein Jahr musste die Besatzung unter der Leitung des Unterkaufmanns Leendert Janszen in der Tafelbucht verbringen, ehe alle Überlebenden mit einer Flotte von fünf holländischen Schiffen im März 1648 nach Holland zurückkehren konnten. Durch den langen Zwangsaufenthalt entdeckten die Holländer jedoch die klimatisch sehr guten Bedingungen der Region. Zudem machte die Mannschaft beim Tauschhandel gute Erfahrungen mit den Khoikhoi, so dass der Bericht von Janszen an die VOC nach seiner Rückkehr über Siedlungseigenschaften äußerst positiv ausfiel und für den Entschluss der VOC, eine kostengünstige Proviantstation am Kap auf dem Weg in den Fernen Osten einzurichten, sicherlich entscheidend war:

„Der Boden in besagtem Tal ist sehr gut und fruchtbar, und während der Trockenzeit könnte man ohne Schwierigkeiten so viel Wasser, wie man nur braucht, den Gärten zuführen ... Aus täglicher Erfahrung wissen wir, was man am Kap tun kann, nicht nur für die Kranken, sondern auch für die Gesunden der Schiffsbesatzungen auf dem Wege nach Indien, vielleicht nur mit etwas Sauerampfer oder zwei oder drei Rindern, da es dort genug von allem gibt, auch Fisch; Kuhantilopen und Steinböcke sind zahlreich vorhanden ... Wenn die geplante Festung einen guten Kommandanten bekommt, der den Eingeborenen freundlich gesonnen ist und dankbar für alle erworbenen Waren bezahlt, dann ist überhaupt nichts zu befürchten.“aus: W. Grütter/D.J. van Zyl: Die Geschichte Südafrikas, S. 8 ff.

Da es wirtschaftlich gesehen in Asien wesentlich interessantere Gebiete gab, wollte die holländische Kompanie keine Kolonie gründen, sondern für ihre Handelsschiffe eine Versorgungsstation auf halbem Wege nach Indien einrichten, um die während der sechs- bis achtmonatigen Fahrten zwischen Europa und Asien auftretenden häufigen Erkrankungen und Todesfälle zu senken.

An Bord des Schiffes, das die „Nieeuw Haerlem“ rettete, hatte sich auch der aus den Kolonien zurückkehrende Kaufmann Jan Anthniszoon van Riebeeck befunden, der in Verdacht stand, in korrupte Geschäfte verwickelt zu sein. Als die VOC für den Aufbau der Station am Kap jemanden suchte, war van Riebeck stark interessiert, da er hoffte, sich so rehabilitieren zu können, um später in den Fernen Osten versetzt zu werden. Am 6. April 1652 erreichten van Riebeeck, seine Frau und sein vierjähriger Sohn mit einer Crew von 90 Leuten, darunter 8 Frauen, die Tafelbucht. Gleich am nächsten Tag sollte die Arbeit beginnen.

Van Riebeeck wurde beauftragt, ein Fort zu bauen, das ca. 80 Mann Platz bieten und den Namen Fort de goede Hoop tragen sollte. Es war vorgesehen, kleine Äcker anzulegen, Gemüse und Obst anzubauen und mit den Einheimischen – so die ausdrückliche Instruktion – Viehhandel zu betreiben, wobei insbesondere angeregt wurde, auf ein einträchtiges Auskommen mit ihnen Wert zu legen. Van Riebeeck errichtete mit seinen Leuten ein viereckiges Fort, das erst mit einem Erdwall, dann mit einem Zaun umgeben wurde. Wenige Monate später – bereits am 3. August – lebten alle Menschen innerhalb des Forts, doch ein harter Winter mit viel Regen und Hagel strapazierte die Gesundheit so sehr, dass 20 Menschen verstarben. Van Riebeeck hatte um diese erste Niederlassung einen Zaun errichtet, um den Kontakt mit den Khoikhoi möglichst unter Kontrolle zu halten. Ein Inspekteur aus Holland forderte sogar, die Kaphalbinsel durch einen Kanal abzutrennen, mit dessen Ausführung auch begonnen wurde. Ende 1652 war der Ausbau des Forts abgeschlossen. Es bestand aus einem zwölf Fuß hohen Viereck aus Erdwällen und hatte eine Seitenlänge von 50 Metern.

Die anfängliche Entwicklung des Stützpunktes stellte die Erwartungen der VOC jedoch nicht zufrieden. Van Riebeeck wurde immer wieder ermahnt, die Kosten möglichst gering zu halten und sich selbst zu versorgen. Er legte daher Felder an, doch war die Landwirtschaft sehr kostspielig, und für die weitere Aufbauarbeit mangelte es ihm an Arbeitskräften. Hinzu kam, dass die Soldaten und Beamten vor allem für Handel und Sicherung des Forts ausgebildet waren und mit der Landwirtschaft wenig anzufangen wussten. Anderes als Vieh ließ sich aber von den Khoikhoi nicht eintauschen und musste selbst erzeugt werden. Im März 1653 wurde die Versorgungsstation auf ihre erste Bewährungsprobe gestellt: Eine Flotte unter der Kommandantur von Admiral Gerard Demmer legte auf dem Wege nach Holland an der Tafelbucht an. Die Mannschaften wurden mit Gemüse, Fleisch und Milch versorgt, und die Leistungen bei der Heimkehr vom Admiral lobend hervorgehoben. Im Laufe der Zeit vergrößerte man die landwirtschaftlichen Flächen, und 1659 wurden bereits die ersten Weintrauben am Kap geerntet. Dennoch: Die Arbeitsmoral war schlecht; mancher desertierte gar zu den Khoikhoi. Auch die waren zu handwerklichen Tätigkeiten kaum zu motivieren, so dass Sklaven herangeschafft wurden.
Eine Lösung des Problems sah van Riebeeck darin, Bedienstete der Station als Siedler auszusenden, die, um die Arbeitsmoral zu erhöhen, auf eigene Rechnung landwirtschaftlich arbeiten konnten. 1657 erhielt er immerhin von der Kompanie die Erlaubnis, dafür neun seiner Angestellten aus den Diensten der VOC freizustellen und zu Freibürgern zu ernennen. Als Bedingung galt jedoch, dass die künftigen freien Bauern von niederländischer oder deutscher Abstammung sein mussten. Van Riebeeck stellte daraufhin den Siedlern ein Stück Land zur Verfügung und gab ihnen Saatgut und Arbeitsgeräte auf Kredit. Der erste Kompanieangestellte, dem ein Freibrief ausgestellt wurde, war ein Deutscher aus Köln. Tatsächlich dienten damals viele Deutsche, vor allem aus Nordwestdeutschland, in den Reihen der VOC; sie hatten ihre Heimat während oder nach den Wirren des Dreißigjährigen Krieges verlassen.

Damit war der erste Schritt auf dem Weg von der Selbstversorgungsstation zur Siedlungskolonie für freie Bürger vollzogen, die das Gebiet in der Folge als ihre Heimat empfanden. Das Experiment bewährte sich, da die Produktion zunahm. Daraufhin warb die Kolonie, allerdings nur halbherzig und mit geringem Erfolg, u.a. auch in den Niederlanden Siedler an, woraufhin im Jahre 1687/88 nach der Aufhebung de Edikts von Nantes ca. 225 Hugenotten von 80.000, die Frankreich verlassen hatten, am Kap eintrafen.

Mit der Ausweitung der Kolonie kam es jedoch zu Konfrontationen mit den Khoikhoi: 1659, weil die Siedler ihnen Weideland genommen hatten, und 1671, weil der Fleischbedarf der zunehmenden Bevölkerung sich erhöhte, die Khoikhoi sich jedoch nicht von mehr Vieh trennen wollten. Die Kämpfe endeten mit einer vernichtenden Niederlage der Khoikhoi. Ihr Widerstandswille war danach gebrochen, und die Mehrheit zog sich ins Landesinnere zurück. Diejenigen aber, die zurückblieben, integrierten sich in die Gemeinschaft der weißen Siedler, was allmählich zur Vermischung und damit Entstehung einer neuen Bevölkerungsgruppe, der Coloureds (Farbige), führte. Hinzu kamen Verbindungen zwischen Weißen bzw. Khoikhoi mit Sklaven, die von 1658 an als Arbeitskräfte aus Ostafrika, Madagaskar, Indien, Ceylon, Malaysia und Indonesien importiert wurden.